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#001 | 03/02/16

ZUSTAND SONNTAG

robusto, berlin, journal

Sonntag, 13:30 Uhr - geht das überhaupt noch als Morgen durch?
Ja, denn deine Nacht war lang, zu lang: Um 8 Uhr in der Früh bist du aus dem Club gestolpert, hattest definitiv ein oder zwei Drinks zu viel. Jetzt hoffst du, den Rest des Tages halbwegs unbeschadet zu überstehen, sodass du morgen wieder fit in die Woche starten kannst. Nach der zweiten Dusche, mit der du versuchst, dein Äußeres wenigstens halbwegs wieder instand zu setzen, überfällt dich wieder mal der Gedanke, dass du langsam zu alt für so etwas bist. Dein Schädel platzt fast und dir wird klar: Du solltest auf das hören, was deine Eltern dir schon seit Jahren sagen. Um dein Gewissen etwas zu beruhigen, fängst du genau jetzt damit an! Ganz nach dem Motto: Ein guter Tag beginnt immer mit einem ausgiebigen Frühstück.

“Kaffee, viel kaffee,
vor allem starker Kaffee”

Das Frühstück:
Natürlich bist du nach so einer Nacht nicht imstande vor die Tür zum Bäcker deines Vertrauens zu gehen und dir eine Mischung der ausgefallensten Backwaren zu besorgen. Doch der Inhalt des Kühlschranks erinnert auch mehr an einen Besuch in der Geisterbahn: eine Scheibe Käse, zwei Toast, etwas von Omas selbst gemachter Marmelade und ein Rest Milch. Immerhin - bei einem knurrenden Magen ist das schon Einiges. Was dir jetzt noch fehlt, um von deiner eher tristen Erscheinung wieder zu einem Menschen mit Würde zu werden, ist Kaffee - viel und vor allem starker Kaffee! Am besten sollte schon die Zubereitung deinen Puls auf 180 bringen. Also eine Handvoll Bohnen in die Mühle, Wasser aufsetzen und alles in die French Press oder durch den Filter. Wie auch Oma schon sagte: je dunkler der Kaffee desto besser!

Der Rest des Tages:
Nach der zweiten Tasse Robusto solltest du dann langsam deine Würde zurückerlangt haben. Ein guter Zeitpunkt, um zu überlegen, ob du den Sonntag, der mehr einem Zustand als einem Tag gleicht, noch in etwas Produktives verwandelst. Du feierst dich, dass du den „Zustand“ einigermaßen überstanden hast. Doch den Sonntag zum Großteil in der Horizontalen zu verbringen ist nicht wirklich das, was dich weiter nach vorne bringt. Solltest du es also schaffen, dich aus den Tiefen deines Sofas, die dir das Gefühl von Geborgenheit geben, zu erheben und in eine halbwegs aufrechte Position zu kommen - tu es! Auch das haben uns unsere Eltern vorgelebt: der obligatorische Sonntagsspaziergang mit der Familie. Okay, das wäre wahrscheinlich etwas zu viel verlangt, aber eine Runde durch den Park sollte drin sein. Auch ein Treffen mit Freunden ist eine gute Sonntagsphilosophie. Außerdem lässt es sich im Kollektiv immer noch am besten leiden.